Abschied vom Bahnhof Littenweiler

11Bahnhof Littenweiler macht zu

Der Bahnhof Littenweiler schliesst für immer

Nach über 100 Jahren, seit der Eröffnung der Höllentalbahn, sollte eigentlich im Juni 1989 bereits Schluss sein mit dem Fahrkartenverkauf im Bahnhof Littenweiler. Immerhin 33 Jahre lang konnte das Ende noch hinausgezögert werden. Aber auch das geht jetzt nicht mehr. Aus dem Aushang an der Eingangstür „vorübergehend geschlossen“ wird ein „dauerhaft“.

„Gleisnost“ übernahm am 1.Juni 1989 den Fahrkartenverkauf von der damaligen Deutschen Bundesbahn, die dieses angeblich unrentable Geschäft nicht mehr betreiben wollte. Viele Wetten wurden abgeschlossen, dass es „Gleisnost“ wohl auch nicht lange machen würde. Nun, es kam anders und entwickelte sich zu einer regelrechten Erfolgsgeschichte. Immerhin 33 Jahre lang konnten die Littenweilemer und auch die vielen Kunden aus dem weiteren Umfeld von der Präsenz eines Teams von Reiseexperten in „ihrem“ Bahnhöfle profitieren. Viele Kunden der ersten Stunde waren bis zuletzt Stammgäste – und mittlerweile auch ihre Kinder und Enkel.

Dass Siegfried Klausmann, der Gründer und Geschäftsführer von Gleisnost, nun doch schweren Herzens entschieden hat, den Standort aufzugeben, hat mehrere Gründe. Sie alle zusammen haben zu einer Situation geführt, die er nun nicht mehr für auflösbar hält.

Die Corona-Jahre beutelten die ganze Reisebranche reichlich. Man musste sich mit Kurzarbeit und dergleichen über Wasser halten und einfach darauf hoffen, dass es irgendwann wieder normal wird.

In dieser Zeit haben einige Mitarbeiter Gleisnost verlassen. Die Littenweiler Stammbelegschaft blieb an Bord, wurde aber immer wieder zum Mithelfen in den beiden anderen Filialen gebraucht. Man kennt das Problem von anderen Branchen: Personalmangel ganz schlicht genannt.

Auch das andere Phänomen kennt man vom übrigen Einzelhandel: viele Menschen halten es für bequem und chic, sich alles Mögliche online zu bestellen. Jeder Klick auf den „Kaufen“-Button ist ein Umsatz, der dem Laden um die Ecke fehlt. Bis er irgendwann nicht mehr da sein wird. Auch hier ist die Reisebranche ganz „vorne“ mit dabei. Auch wenn das Märchen, online sei alles viel billiger, längst widerlegt ist – es hält sich eisern.

Schliesslich gibt es noch das Dauer-Problem, das schon etliche Seiten in der Regionalpresse füllte: das Bahnhofs-Areal und der Zustand des Gebäudes. Wir erinnern uns: als die DB dort auszog, gab es etliche Eigentümer-Wechsel. Zunächst wurde die Immobilie hausintern zwischen verschiedenen Bahn-eigenen Firmen hin und her geschoben. Schliesslich trat mit einer regionalen Gross-Bäckerei ein privater Investor auf, was einen jahrelangen Streit mit der Stadt Freiburg nach sich zog, ob die Stadt nun ein Vorkaufsrecht habe oder nicht. Irgendwann vor ein paar Jahren wurde dann die Stadt Eigentümerin des Areals samt Gebäude, und man dachte dessen Rettung nun sehr nahe zu sein.

Aber, was all die Jahre weiterging, ohne dass sich etwas gebessert hätte: dem Verfall des denkmalgeschützen Bahnhöfles hat keiner der vielen Eigentümer je etwas entgegengesetzt. Der Zeitpunkt, wo die Räume schlicht nicht mehr bewohnbar sein werden, rückt ungebremst näher – eigentlich ist er schon längst erreicht. An diesem Punkt noch auf irgend etwas zu hoffen, haben Siegfried Klausmann und seine Mannschaft aufgegeben. Viel Energie wurde dafür in den letzten Jahren verwendet – ohne dass etwas dabei rausgekommen wäre.

Mit dem Stichwort „Energie“ sind wir beim nächsten Punkt. Das Büro von Gleisnost befindet sich im ehemaligen Wartesaal des Bahnhofs. Die Aussenwände haben keinerlei Wärme-Dämmung und kühlen in aller kürzester Zeit vollständig aus. Geheizt wird mit einer Gas-Therme, die vor über 30 Jahren eingebaut wurde. „Diesen Winter würden wir mehr fürs Gas zahlen müssen, als was wir Umsatz hätten“ übertreibt Klausmann zwar ein wenig. Aber er hält es für unverantwortlich, hier weiter Unmengen von Erdgas durchs Kamin zu jagen.

Als nun im Juli noch die befürchteten und angekündigten neuen Verträge von der DB kamen, die das Verhältnis DB/Reisebüro regeln, lief das Fass endgültig über. Die DB wird den Reisebüros keine Provision mehr bezahlen. Dem Haupt-Geschäft im Bahnhof Littenweiler, nämlich der Verkauf von DB-Fahrkarten, ist damit die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Dennoch wird es Gleisnost weiter geben: in der Radstation an der Stadtbahnbrücke, der dann letzten verbliebenen Filiale, werden die Kapazitäten sogar erweitert. Es wird dort weiterhin auch Fahrkarten der DB sowie der meisten anderen europäischen Bahnen geben – und wie schon lange auch das gesamte Programm eines guten Reisebüros wie zB. Hotels, Mietwagen, Flüge. Klausmann und sein Team sind sich sicher, dass die Kunden diesen Service gerne nutzen werden. Und die Littenweilemer werden dort die bekannten Gesichter des Teams aus „ihrem Bahnhöfle“ wiedersehen.

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