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Die bahnsinnige Schweiz

4 Tage frei und "das" Bahnfahrerland in der Mitte Europas quasi vor der Haustüre? Was liegt näher, als sich gemütlich in einen Zug zu setzen und Strecken abseits der allbekannten Glacier-Express-Linie zu erkunden?

Bahnfahren in der Schweiz kann einen wie ein Fieber befallen. Nicht nur, dass dank komfortabler Züge, engmaschigem Fahrplan und sprichwörtlicher schweizer Pünktlichkeit es richtig Spass macht - die Schweiz bietet ausserdem die spektakulärsten Bergstrecken Europas.


1.Tag: St.Georgen/Schw. - Lauterbrunnen Startend in St.Georgen im Schwarzwald geht die Fahrt über Singen und Schaffhausen (am besten vorne im ICE-1.Klasse-Panoramawagen) nach Zürich. Dieser zu jeder Tageszeit überaus quirlige und sehr sehenswerte Bahnhof ist Tor für alle Reisen in Richtung Osten oder Süden.

Weiterreise nach Luzern: die 15 Minuten Umsteigezeit lassen sich nutzen um kurz vor den Bahnhof zu schauen. Rechter Hand das Kunst- und Kulturzentrum mit seinem spektakulären Dach, gerade aus direkt die Anlegestellen der Ausflugsschiffe (Umsteigeort Bahn-Schiff des Wilhelm-Tell-Express) und linker Hand der Blick auf die berühmte Kapellbrücke



Auf dem Bahnsteig steht bereits der Zug der Golden-Pass-Linie (Endziel Montreux) bereit. Der Panoramawagen der 1.Klasse bietet dank seiner hohen Fenster freien Blick auf den Vierwaldstätter See und dem imposanten Pilatus (auf diesen Berg führt die steilste Zahnradbahn der Welt). Vorbei an kleinen Seen steigt die Strecke beharrlich an um schliesslich per Zahnstange den Brünig-Pass zu überqueren. Dieser ist zwar mit seinen 1000m ein Winzling unter all den Pässen; in seinen Schleifen und Kurven bietet er jedoch wunderschöne Blicke auf die Bergriesen des Berner Oberlandes und somit einen Vorgeschmack auf die Tour des nächsten Tages.
Vorbei an Brienz (Ausgangsort der Brienzer Rothornbahn) und entlang des gleichnamigen Sees führt die Strecke nach Interlaken.

Per Umstieg auf die Jungfraubahnen wird Lauterbrunnen erreicht.

2.Tag: Lauterbrunnen - Jungfraujoch - Domodossola
Am Morgen als erstes der prüfende Blick aus dem Fenster: die Vorhersage stimmt - der Wettergott meint es gut. Trotzdem ist Warm-Anziehen angesagt: schliesslich geht es auf den mit 3454 m höchst gelegenen Bahnhof Europas. Die Wagen der kleinen gelb-grünen Bahn verführen zum Schmunzeln: gepolsterte Holzklasse - wann fährt man das schon!




Mit ziemlichem Gerumpel geht es steil den Hang hinauf zu Station Kleine Scheiddegg. Dort angekommen ein komisches, schwindliges Gefühl: noch nicht akklimatisiert macht die Höhenluft ganz schön zu schaffen. Weiter oben in Höhe der Zunge des Eigergletschers ist schon die Einfahrt des Tunnels zu erkennen, der 7 km lang durch den Eiger und den Mönch hinauf zum Jungfraujoch führt.

Übrigens erweist sich die Wahl der Reisezeit als optimal: die Sommersaison vorbei, die Wintersaison noch nicht richtig begonnen, bietet sich in den Zügen ausreichend Platz, um sowohl links als auch rechts aus den Fenstern fotografieren zu können. Im komfortableren roten Zug mit High-Tech-Ausstattung (Videofilme über Entstehung/ Geschichte und Vorabinformationen über alle Sehenswürdigkeiten) lassen sich während zweier Halte an verglasten Galerien zum ersten Mal gigantische Gletscher und Bergpanoramen bewundern.



Oben angekommen geht es mit dem Lift zur 100 m höher gelegenen Aussichtsterasse, der Sphinx. Der 1.Blick auf den 24 km langen Aletsch-Gletscher, eingerahmt von lauter 4000m-Bergen raubt einem den Atem - einfach überwältigend!



Auf der anderen Seite dann der Blick in heimatliche Gefilde: sogar Schwarzwald und Vogesen sind zu sehen. Die eingeplanten 2 Stunden Aufenthalt reichen gerade so um bei -12 Grad kurz auf den Gletscher zu laufen, in der Eishalle geschnitzte Eisfiguren anzuschauen und sich die kleine Ausstellung anzusehen.

Die Talfahrt ohne Halt bietet nochmals wunderschöne Panoramen und einen tollen Blick auf den auf einem Sonnenplateau liegenden Ski-Ort Wengen, wo per Zufall auch noch alpenländische Folklore zu bestaunen war.





Nach Abholung des abgestellten Gepäcks in Lauterbrunnen geht es über Interlaken, Spiez und Brig in Richtung Italien. Der Lötschberg ist, wie so oft, die Wetterscheide - im Regen und im Dunkeln wird Domodossola erreicht, die 2. Übernachtungsstation. Die Industriestadt im Ossola-Tal bietet einen kleinen sehenswerten historischen Stadtkern und feinstes italienisches Essen.

3.Tag: Domodossola - Centovalli - Rigi Kaltbad
Am nächsten Tag regnet es noch immer. Schade, die schöne Centovalli-Strecke macht so nur halb soviel Spass. Die wildromantische Schluchten an der Strecke, kombiniert mit den grün-blauen Flüssen und den typischen italienischen Bergdörfern üben bei schönem Wetter eine starke Faszination aus.




In Locarno wird wieder die Schweiz erreicht und über Bellinzona und durch den Gotthard geht es nach Brunnen ans andere Ende des Vierwaldstätter Sees, wo es nun trocken, aber ziemlich vernebelt ist. Per engmaschigem Netz der Postbusse gelangt man nach Vitznau, um von Süden her den Rigi anzufahren. Gleich neben dem in Jugendstil erbauten Schiffsanleger steht ein nagelneues Zugdepot samt Drehscheibe
Davor jedoch eines der älteren Wagonmodelle, das diese Seite des Berges befährt. Nach kurzer Fahrt taucht der Wagen jedoch in die tiefhängenden Wolken ein. Schade - keinerlei Sicht mehr. Übrigens ist die Rigibahn von Süden her zusammen mit der Seilbahn ab Weggis dank fehlender Strasse das einzige Verkehrsmittel. Sämtliche Transporte, sowohl von Menschen als auch jeglichem Material, wären ohne sie undenkbar. Kurz vor Rigi Kaltbad, dem nächsten Übernachtungsort, ist die Wolkengrenze erreicht und somit wenigstens die Aussicht auf die Berge möglich



4.Tag: Rigi Kaltbad - Rigi Kulm - St.Georgen/Schw.
Am nächsten Morgen hängen die Wolken noch etwas höher und sind so dick, dass die nur einen Meter entfernte Felswand kaum zu erahnen ist. Entsprechend enttäuschend beginnt die Heimfahrt. Doch kaum zu glauben: 50 Meter unterhalb des Kulms reissen die Wolken auf. Bei strahlend blauem Himmel bietet sich eine gigantische Sicht bis hin zu den schon besuchten Riesen Eiger, Mönch und Jungfrau.



Im gleissenden Licht, die warmen Sonnenstrahlen geniessend, fällt es schwer, sich für die Talfahrt hinein in den Nebel zu entscheiden. Steil bergab führt in den neueren blauen Wagons die letzte Zahnstangenstrecke hinab nach Arth-Goldau, wo der SBB-Bahnhof mit wenigen Schritten erreicht ist und die endgültige Heimfahrt über Zürich und Schaffhausen beginnt. Zum Glück liegt der Rigi so nah, dass man ihn im Sommer, der besten Reisezeit für dieses Ziel, einfach per Tagesausflug nochmals besuchen kann.


Zur Information: Basis dieser Zugreise war ein Swiss Pass 1.Klasse für 4 Tage, der momentan 234 Euro kostet (bis zu 4 weitere Personen erhalten eine Ermässigung). Swiss Pässe gib es für unterschiedliche Tagesanzahlen oder auch in der Flexi-Version und natürlich auch in der 2.Klasse. In vielen Expresszügen (Ausnahme Bernina-Express) sind jedoch Panoramawagen, und damit die beste Aussicht, nur in der 1.Klasse vorhanden. Diese Pässe gewähren freie Fahrt auf dem gesamten Schweizer Bahn-, Postbus- und Schifffahrtsnetz sowie im öffentlichen Verkehr in 37 Schweizer Städten. Auf allen Berg- und Seilbahnen erhält man mit ihnen 25-50% Ermässigung. Das Swiss Travel System bietet jedoch noch weitere Spezialangebote, die allesamt nur ausserhalb der Schweiz zu erhalten sind. Für Ihre eigene Schweiz-Tour können wir Ihnen sowohl kombinierte Hotel+Bahn-Angebote unterbreiten als auch Ihnen Ihre individuelle reine Zugreise zusammenstellen. Wenden Sie sich vertrauensvoll an uns.

Text und Fotos: Ute Schlegel

 
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