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Im Osten viel Neues: eine Reise nach Russland

Wie lange ist das nochmal her, dass wir per Interzonen-Zug nach Berlin fuhren und durch absonderliche Kontroll-Schleusen am Bahnhof Friedrichstrasse nach erfolgtem Zwangsumtausch "den Osten" betreten durften? Und wie lange ist es her, dass eine Reise in die Sowjetunion nur organisier- und finanzierbar war per Interflug via Berlin-Schönefeld und dann vor Ort innerhalb einer streng be- und ge-hüteten Reisegruppe? Es ist nur eine kleine Weile her - und doch hat sich so viel geändert in der kurzen Zeit.

Europa hat seine unnatürliche Teilung überwunden, und ist dennoch nicht in einem langweiligen Einheitsbrei aufgegangen. Osteuropa und Russland sind nicht nur geographisch sehr weit von uns entfernt.
Wegen ein paar "gewonnener" Stunden uns den Kulturschock antun, und einfach hinjetten?
Hat nicht gerade die Reederei, scheinbar extra für uns, die grosse alte Ostsee-Dame "Finnjet" neu renoviert und auf ihre neue Linie Rostock-Tallinn-St.Petersburg geschickt?
Und wollten wir nicht sowieso mal selbst den Service in russischen Schlafwagen kennen lernen?
Die_Reiseroute
Die Reiseroute, zu sehen mit dem Uhrzeigersinn

CityNightLine:_die_Bar
Die angesagteste Bar zwischen Zürich und Berlin: jede Nacht im CityNightLine

Per Schlafwagen ging es von Freiburg nach Berlin, das uns am Morgen gleich mit einer kleinen Stadtrundfahrt über die zentrale Stadtbahn-Strecke, vorbei an Tiergarten, Regierungsviertel, Hauptbahnhofs-Baustelle und Alexanderplatz begrüsste. Unser Zug endete fast vor der Zimmertür: der unschlagbare Vorteil aller InterCity-Hotels. Drei Tage nahmen wir uns Zeit für die alte neue europäische Metropole.

Christopher_Street_Day_2004
Mal ein anderer (Um-)Zug: wagen der Berliner S-Bahn auf dem CSD 2004

Berlin_Ostbahnhof
Berlin Ostbahnhof:Ankunft des CityNightLine aus Zürich
Noch_Baustelle
Die Baustelle des neuen Berliner Hauptbahnhofs

GTS_Finnjet
Ein "ganz tolles Schiff" wartet auf uns:
die GTS Finnjet
Von Berlin ging es gemütlich mit dem Regionalzug noch einmal quer durch die Stadt, dann durch Branden- und Mecklenburg an die Ostsee nach Rostock.
Mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof ist der Hafen bequem erreichbar.
Nur noch ein kurzer Fussweg trennte uns noch vom Anleger unseres Schiffes.
Rostock_und_Umgebung
Rostock und seine Nachbarstädte:
Wegweiser im Hafen

Die_Finnjet
Die Finnjet vor Abfahrt in Rostock
Tallinn
Strömender Regen in der Hauptstadt Estlands

Zwei Nächte und ein Tag dauert die Fahrt mit der schnellsten Grossfähre der Welt über die Ostsee, ein kurzer Stopp in Tallinn inbegriffen. An Bord wird alles geboten, was man von einer grossen Linie erwarten darf. Unnerreicht von allen Anderen aber sind Komfort und Annehmlichkeiten in der "Commodore Class": grosse Kabinen mit Panoramafenstern auf die Ostsee, eigene Lounge mit kostenlosen Getränken, separate Saunen und Sonnendeck, phantastisches Frühstücksbuffett...
Die Fahrt hätte ruhig noch ein paar Tage dauern können, haben wir uns fast gewünscht.

Einfahrt_St.Petersburg
Die Einfahrt in den Hafen von St.Petersburg...
Musik
...und die Begrüssung der Passagiere auf russischem Boden

Die Passkontrolle verlief langsam, aber problemlos.
Und nun waren wir also da: in Russland!
Ohne einen Rubel in der Tasche, ohne Kenntnisse von Schrift und Sprache, dafür mit umso mehr Herzklopfen standen wir mehr oder weniger einsam auf dem Platz vor dem Hafengebäude. Gerüchte gibt es schliesslich genug, wie gefährlich, unsicher, korrupt, unorganisiert und überhaupt gänzlich ungeeignet für individual-Reisende das Land sei. Nun waren wir aber hier - das liess sich nicht mehr ändern.

Eine Stunde später hatten wir per Taxi unser Hotel gefunden, eingecheckt, in einer Wechselstube Rubel für unsere Euro bekommen, sassen in der Morgensonne auf einem wunderschönen Platz bei einer Tasse Kaffee - und hatten das Herzklopfen vergessen.

Hier ein paar Bilder davon, was unsere nächsten vier Tage prägte:

Eremitage
Von_hinten_gesehen
Gute_Aussichten

Baltischer_Bahnhof
Peterhof

Hausnummer
Newski_Prospekt
Katharinen-Palast

Im_Park
Am_Kanal

In Bildern kaum festzuhalten - dafür umso besser in der eigenen Erinngerung - sind die "Weissen Nächte": die Zeit von Mitte Juni bis Anfang Juli, wo es in Sankt Petersburg auch nachts um halb eins noch fast völlig heller Tag ist, und es überhaupt nie dunkel wird. Eine unvergleichliche Atmosphäre umgibt dann diese Millionen-Metropole - schon allein das ist ein Grund, die Stadt einmal zu besuchen - und über die Abreise etwas traurig zu sein!

Abfahrtsplan
Abfahrtstafel, Moskauer Bahnhof, St.Petersburg
Am_Bahnsteig
Unser Zug wird bereitgestellt


Ganz bestimmt einzigartig auf der Welt: Nacht für Nacht verbinden bis zu 15 Schlafwagenzüge, jeder davon mit bis zu 20 Wagen, die beiden russischen Millionen-Städte - in beide Richtungen, wohl gemerkt!
Einer davon brachte uns in kaum mehr als sechs Stunden in die Hauptstadt - nach einem vorzüglichen Abendessen im Restaurant des "Moskowski Voksal", dem St.Petersburger Bahnhof für die Züge Richtung Moskau.
Ein wenig erstaunt wegen der in lateinischer Schrift gedruckten Fahrkarten war der Schlafwagenschaffner schon - aber das war auch alles. Problemlos konnten wir unser liebevoll hergerichtetes Abteil beziehen.
Am frühen Morgen erreichten wir Moskau bei strömendem Regen.
2-Bett-Abteil
Heimat für eine Nacht: unser Schlafwagen-Abteil
Ich hatte die Stadt noch von vor 20 Jahren in Erinnerung: grau und mit merkwürdig gedämpfter Stimmung. Heute erlebt man Moskau als unglaublich lebendige und bunte Mega-City, die aber doch unverwechselbar das geblieben ist, was sie ist: die Hauptstadt Russlands. Ein paar Bilder sparen viele Worte...

Zuckerbäcker
Kreml

Delikatessen-Geschäft
Hotel_Russia
Imbiss

Hotel_Kosmos
etwas_klischeehaft?


Metro_Bahnsteig

Eine eigene Geschichte wert wäre die Moskauer Metro. Unglaublich lange Rolltreppen schaufeln, teils "vierspurig", die Menschen von oben nach unten und umgekehrt. Die Zugfolge ist in der Spitzenzeit 30 Sekunden - und es sind richtige Züge und nicht nur ein paar Wägelchen. Die Dekoration vieler Bahnhöfe ist legendär. Hingehen, selber anschauen - Fotos bringen von all dem (fast) nichts rüber...

Metro_Deckenmosaik

Metro:_Umsteigen
Metro_Rolltreppen

Trotz Metro: die Fusswege in dieser riesig dimensionierten Stadt sind immens, und die Beine wollen irgendwann einfach nicht mehr so gern. Mit einer Idee konnten wir uns dennoch immer wieder zur nächsten Besichtigungstour aufraffen: Bald würden wir im Schlafwagen nach Berlin die Beine 28 Stunden lang hochlegen können!

Moskau_Beloruskaia
Moskau: Weissrussischer Bahnhof
Vor_der_Abfahrt
Vor der grossen Heimreise

Speisewagen
Unser Wohnzimmer: der Speisewagen
Smolensk
Kurzer Halt in Smolensk


Metro_Bahnsteig
Zwischenstopp in Minsk, Hauptstadt Weissrusslands

Landschaftlich reizarm, aber doch ein Erlebnis: die Fahrt mit dem russischen Schlafwagenzug gen Westen, von Moskau über Smolensk, Minsk, Brest, Warschau und Posen bis Berlin. Im Speisewagen zaubern die beiden Service-Damen (übrigens: mit eigenem Kanarien-Vogel in der Küche!) für jeden Appetit das Richtige. Vom technisch eindrucksvollen Spurwechsel in Brest gibt es (verboten!) keine Bilder - ebenso nicht von Polen (dunkel!).

Ich
Nicht nur die Beine hochgelegt: der Autor

Kaffe1
Frühstück Nr. 1: kurz nach Moskau
Kaffe2
Frühstück Nr. 2: kurz vor Berlin

Wild-Ost
Irgendwo im weiten Osten

Fast schon wieder daheim, kurz vor der Fahrt über die Oder-Brücke. Schon wieder in den Grenzen der EU und die müden Füsse längst wieder munter. Die paar Kilometer noch bis Freiburg - die werden wir auch noch schaffen...

Oder-Brücke
Brücke über die Oder bei Frankfurt

Text und Bilder: Siegfried Klausmann


Wenn Sie einmal eine solche Reise unternehmen möchten, sind wir von GLEISNOST Ihnen gerne bei der Zusammenstellung und der Buchung behilflich.

 
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