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Nach Irland kommt man immer noch ohne Billig-Flieger - wenn einem das "Reisen" etwas wert ist

Sie kennen das: ab einem Flughafen, der stolz den Namen der Stadt mit dem grössten kontinentalen Airport führt, und dann noch verschämt den Zusatz, der sich wie ein männliches Geflügeltier liest, gehen Flüge nach weiss Gott wohin, für grad mal einen Euro. Pardon, "ab" einem Euro. Oder so. Eine Irische Fluggesellschaft machts möglich, und fliegt natürlich auch von jenem Hunsrück-Dorf in ihre eigene Heimat, zu einem ebenso gewissermassen dezentral gelegenen Flughafen namens Shannon.

Nun, wir hatten Zeit und: Geld. Wie bitte? Ja, Geld! Ohne einen gewissen Vorrat davon sollte man nicht nach Irland und schon gar nicht ins Vereinigte Königreich reisen. Was man bei Inanspruchnahme der besagte Billig-Flieger spart, geht mit atemberaubenden Geschwindigkeit für das nun auch mal nötige Essen, Trinken und Schlafen drauf. Wem es beim Reisen nur auf's Sparen ankommt, sollte vielleicht ein anderes Ziel wählen. Ob sich dennoch so eine Reise "lohnt"?
Die_Reiseroute
Die Reiseroute, zu sehen in Uhrzeigersinn

In Rendite-Prozenten ist das schwer auszudrücken, sicher. Doch die spektakulären Landschaften Irlands, seine äusserst liebenswerten Bewohner und ihre Lebensart sind einzigartig in Europa. Wer von einer Reise mehr erwartet als Sonne, Strand und Schnäppchen sollte es erlebt haben.
Paris_Est
Paris, Ankunft am Gare de l'Est

Morgens um fünf klingelte es an der Tür. Unsere Bekannten hatten sich tatsächlich bereit erklärt, uns von Freiburg ins benachbarte Mulhouse zu fahren. Die Eisenbahnstrecke dorthin ist seit -zig EU-finanzierten Gutachten immer wieder kurz davor, wieder in Betrieb genommen zu werden. Nur hat es für unsere Reise nicht gereicht, und das freundliche Angebot zur Auto-Fahrt war die einzige Möglichkeit, die frühe Abfahrt im Elsass zu erreichen. Nach Kaffee und Croissant in der Bahnhofskneipe bestiegen wir den Zug nach Paris. Vor lauter Erinnerungen an all die Male, die ich die Strecke schon gefahren war, meldete sich plötzlich der am Morgen so abrupt unterbrochene Schlaf. Erst die Einfahrt in den Gare de l'Est am Mittag liess mich wieder wach werden

Man tut ja Paris unrecht, es einfach nur für einen schnellen Transit zu gebrauchen. Und so wollten wir unseren Mitreisenden wenigstens einen kleinen Einblick geben, indem wir statt der Metro den Bus für den Bahnhofswechsel benutzen. Zu dumm nur: es war wieder einer dieser Welt-Stau-Tage, und unser Bus blieb irgendwo zwischen den Bahnhöfen hoffnungslos stecken. Der zehnminütige Fussweg, der uns vom Bahnhof St.Lazare trennte, bewies die Vorteile des Reisens mit kleinem Gepäck.
Vom Pariser Bahnhof St.Lazare fahren die Züge Richtung Normandie. Und nach Cherbourg, neben Roscoff in der Bretagne der einzige Hafen auf dem Kontinent, von dem aus sich ohne den Weg durch Grossbritannien die Irische Insel erreichen lässt. Die Fahrt von der Seine-Metropole durch die grüne Normandie an die Küste hätte eine Unterbrechung in Bayeux verdient, wo der Teppich der Königin Mathilde ausgestellt ist und auf seiner immensen Länge die Szenen zeigt, als die Normannen Britannien eroberten. Statt dessen machten wir uns an die "Eroberung" Cherbourgs: Die Ankunft im strömenden Regen, der Bahnhof als Baustelle, und nicht der geringste Hinweis, wie es denn zum Hafen ginge. So nach und nach stellten sich jedoch einzelne Taxis ein, dernen Nutzung sich als recht hilfreich erwies: Zwar sind es nur wenige huntert Meter Luftlinie vom Zug zum Schiff, doch ist das Hafenbecken durch einen kilometerlangen Zaun Paris_St.Lazare
Paris, Abfahrt am Gare Saint Lazare
von der Stadt abgetrennt und nur von der anderen Seite her zugänglich. Wer reist auch heutzutage schon per Zug und Schiff? Selber schuld! Na ja, die Schuld nahmen wir gern auf uns und schifften auf der "Normandy" der Irish Ferries ein. Gut, die Kabinen des nicht mehr ganz neuen Schiffs hätten mal wieder eine gewisse Renovierung nötig, dennoch fehlte es an nichts:
Irish_Ferries

Oben: Irhish Ferries "Normandy"
Rechts: Einfahrt in den Hafen Rosslare
Bereits vor der Abfahrt gab es an der Bar das lang ersehnte echte irische Guinness. Im Restaurant tat man sein Bestes, für ein anständiges Essen zu sorgen, und das Unterhaltungs-Programm hatte ein Niveau, das andernorts einen Haufen Eintrittsgeld erfordert hätte. Die 18-stündige Überfahrt verlief ruhig, und nach einem richtigen irischen Frühstück kamen wir in Rosslare auf der grünen Insel an, rund 30 Stunden nach unserer Abreise von zuhause.
Rosslare

Vom ehemals sehr dichten Eisenbahn-Netz Irlands ist heute kaum mehr etwas übrig. Nur wenige Züge fahren, meist auf Dublin zentriert, auf breiter Spur über die Insel. Erheblich besser ist das Bus-Netz ausgebaut, das selbst kleinste Orte bedient. Aber wenn schon Strasse, dann ein Mietwagen, haben wir uns gedacht und uns einen zum Abholen am Hafen Rosslare gebucht. Weil es also über die Fortbewegung in Irland selbst nichts weiter zu berichten gibt, und weil man die Schönheit der Insel mit Worten kaum beschreiben kann, hier nun ein paar Bilder. Jedoch: das Erleben eines Abends in einem Irischen Pub kann ich Ihnen beim besten Willen nicht übers Internet bieten.

Slieve_League
Mucross_Head

Endstation
Rätsel:_wo_ist_das?
Westport

worauf_warten?
Eisenbahn-Zubehör

wer_macht_hier_den_Weg_frei?
DAS_irische_Verkehrsmittel
muss_die_Mauer_weg?

Nach gut zehn Tagen in Irland fuhren wir mit dem "klassischen" Fährschiff von Stena-Lines von Rosslare nach Fishguard in Wales. Auf der gleichen Strecke verkehrt auch die Stena Lynx, bei deren Anblick das Gefühl einer richtig geruhsamen Seereise nicht recht aufkommen will. Von Fishguard dann brachte uns eine der britischen Bahngesellschaften pünktlich nach London Paddington Stena_Lynx

London_Paddington
Noch_ein_Rätsel

Zwei Nächte und einen Tag machten wir in London Station - dieser völlig faszinierenden und super-teueren Metropole, bevor es Abschied nehmen hiess von Linksverkehr, Pint, Pound und Meilen.
Her_Majesty_travelling
Vorbildlich: auch die Queen weiss, es gibt noch andere Verkehrsmittel als das Flugzeug!
Ein wenig schneller als per Kutsche sollte es für uns dann doch gehen. Für die Fahrt zurück zum Kontinent zogen wir es allerdings vor, den Eurostar zu nehmen.

London_Waterloo
London_Waterloo
London_Waterloo

Bei richtigem Schmuddel-Wetter fuhren wir von Rosslare ab. Wales empfing uns etwas milder, aber immer noch bewölkt. Abends in London konnte die Jacke schon im Hotel bleiben. Die Königin hatte zum Geburtstagsfest ihr Kaiser-Wetter. Brüssel erwartete uns frühlingshaft, Köln sommerlich. Zurück im Breisgau dann um 11 Uhr Abends zeigte das Thermometer noch 30 Grad - Celsius!

Die reinen Fahrtkosten einer solchen Reise liegen - mit BahnCard und RailPlus - zwischen 300 und 400 EUR für einen Erwachsenen, je nach Termin und inclusive einer guten Kabine auf dem Schiff. Wer auf den Komfort einer Kabine verzichtet oder nicht wie wir für die Hin- und Rückfahrt unterschiedliche Wege wählt, kommt einiges billiger weg - aber dennoch immer noch viel teuerer als mit einem der besagten Billig-Flieger.

Nur, das Erleben der Reise und die vielen individuellen Möglichkeiten, unterwegs Station zu machen, bieten Ihnen diese Flieger nicht. Und es soll tatsächlich noch Menschen geben, die genau das an einer Reise schätzen.

Wenn Sie einmal eine solche Reise unternehmen möchten, sind wir von GLEISNOST Ihnen gerne bei der Zusammenstellung und der Buchung behilflich.

Köln_Hbf
Fast wieder daheim: Köln Hauptbahnhof

Text und Bilder: Siegfried Klausmann
Ausser: "Her Majesty travelling" - Foto Horst Schmitz

 
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